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Gründen & Fachliches

Barbershop eröffnen: die Checkliste für den Start

Vom Meisterrecht bis zur Ausstattung: Diese Checkliste führt Dich durch die Eröffnung Deines Barbershops, mit den Besonderheiten für Barber. Mit Quellen.

Saloona Redaktion07.07.20265 Min

Ein eigener Barbershop klingt nach Handwerk, Community und Musik. Dahinter steckt aber derselbe Behördenweg wie bei jedem Friseursalon, plus ein paar Besonderheiten, die Barber gern übersehen. Diese Checkliste bringt Dich sauber an den Start.

Vorab: Das ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung. Für Deinen Einzelfall ist die Handwerkskammer zuständig.

1. Das Meisterrecht klären

Der wichtigste Punkt zuerst, weil hier die meisten Fehler passieren: Ein Barbershop unterliegt der Meisterpflicht genauso wie ein klassischer Friseursalon. Das Friseurhandwerk steht in der Anlage A der Handwerksordnung und ist damit zulassungspflichtig. Entscheidend ist der Leistungsumfang, nicht der Name über der Tür. Wer Haare schneidet und Bärte formt, betreibt wesentliche Friseurtätigkeiten und muss in die Handwerksrolle.

Ein häufiger Irrtum ist, den Shop als reines Kosmetik- oder Pflegegewerbe anzumelden, um die Meisterpflicht zu umgehen. Das ist riskant. Stimmt die Anmeldung nicht mit den echten Leistungen überein, drohen Ärger mit Handwerkskammer und Gewerbeamt und im schlimmsten Fall die Untersagung des Betriebs. Lass Dir vor der Eröffnung schriftlich einordnen, ob Dein Angebot eintragungspflichtig ist.

Kein eigener Meisterbrief? Dann hast Du dieselben Optionen wie jeder Friseursalon: eine angestellte Meisterin oder ein angestellter Meister als Betriebsleitung, eine Ausübungsberechtigung nach § 7b HwO nach sechs Jahren Berufserfahrung mit vier Jahren in leitender Stellung, oder eine Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO. Die Details stehen im Artikel Friseursalon eröffnen: was kostet es.

2. Die Anmeldungen in der richtigen Reihenfolge

Bei zulassungspflichtigem Handwerk gehst Du nicht zuerst zum Gewerbeamt, sondern zur Handwerkskammer. Erst wenn die Eintragung geklärt ist, folgt der Rest:

  1. Handwerkskammer: Eintragung in die Handwerksrolle klären.
  2. Gewerbeamt: Gewerbe anmelden.
  3. Finanzamt: steuerliche Erfassung und Steuernummer.
  4. Berufsgenossenschaft (BGW): Für das Friseurhandwerk besteht Pflichtmitgliedschaft, auch für Dich als Inhaber. Der Betrieb muss binnen einer Woche nach Start gemeldet werden.
  5. Bauaufsicht und Gesundheitsamt: Räume, Belüftung und Hygiene abnehmen lassen.

Die Eintragung in die Handwerksrolle liegt nach Anbieterangaben bei etwa 50 bis 200 Euro, die Gewerbeanmeldung bei rund 15 bis 65 Euro.

3. Standort und Ausstattung

Ein Barbershop lebt von Lage und Atmosphäre. Eine Fußgängerzone mit Laufkundschaft funktioniert anders als eine ruhige Seitenstraße, in der Du auf Stammkunden und Online-Buchung setzt. Kalkuliere Miete und Kaution, den Umbau, robuste Barber-Stühle mit Liegefunktion für die Rasur, Spiegel, Waschplätze, Trimmer, Klingen und die Erstausstattung an Pflegeprodukten und Pomaden. Rechne wie bei jedem Friseurbetrieb mit einem Investitionsrahmen im mittleren fünfstelligen Bereich und plane einen Puffer ein, denn der Umbau ist erfahrungsgemäß der Posten, der aus dem Ruder läuft. Die Ausstattung ist der größte Kostenblock, nicht die Behörden. Bei den Möbeln lohnt es sich, an den Barber-Stühlen nicht zu sparen, weil sie täglich stundenlang beansprucht werden und ein wackliger Stuhl den professionellen Eindruck sofort zerstört.

4. Laufende Kosten realistisch kalkulieren

Die Gründung ist das eine, der Alltag danach das andere. Viele Barber unterschätzen die Fixkosten, die jeden Monat pünktlich fällig sind, egal wie voll der Shop war. Auf die Rechnung gehören:

  • Miete und Nebenkosten für die Fläche
  • Löhne und Sozialabgaben, sobald Du Barber anstellst
  • Wareneinsatz für Pomaden, Öle, Klingen und Handtücher
  • Strom, Wasser und Heizung, bei ständig laufenden Waschplätzen kein kleiner Posten
  • Versicherungen, Software, Steuerberater und Werbung

Kalkuliere Deinen Stundensatz so, dass diese Kosten gedeckt sind und noch Gewinn bleibt. Ein voller Terminkalender nützt wenig, wenn die Slots zu knapp bepreist sind. Wie Du Deine Kapazität besser ausnutzt, steht im Ratgeber Auslastung im Friseursalon optimieren.

5. Hygiene ernst nehmen

Bartrasur mit der Klinge ist das, was einen Barbershop ausmacht, und genau da liegt die größte Verantwortung. Die Gesundheitsämter orientieren sich an klaren Vorgaben. Nach dem Hygiene-Merkblatt für Barbershops gilt unter anderem:

  • Zur Rasur sind ausschließlich Einwegklingen zu verwenden.
  • Mehrfach genutzte Geräte, bei denen es leicht zu Verletzungen kommt, also etwa Rasiermesser mit Wechselklinge, sind nach jeder Anwendung zu reinigen und zu desinfizieren.
  • Arbeitsmaterialien, die mit Blut oder auf nicht intakter Haut in Kontakt kamen, werden nach jedem Kunden desinfiziert.

Barbershops können nach § 36 Infektionsschutzgesetz vom Gesundheitsamt überwacht werden. Ein schriftlicher Hygieneplan gehört deshalb zum Standard. Die BGW stellt dafür einen fertigen Reinigungs- und Desinfektionsplan für Friseursalons und Barbershops bereit. Dazu kommen eine Betriebshaftpflicht und die üblichen Gewerbeversicherungen.

5b. Die ersten Kunden gewinnen

Ein Barbershop lebt von Wiederkehr. Der erste Haarschnitt entscheidet, ob jemand in sechs Wochen wiederkommt, und die ersten Bewertungen entscheiden, ob überhaupt jemand kommt. Kümmere Dich deshalb von Tag eins um Deine Sichtbarkeit. Ein Google-Unternehmensprofil mit Fotos, Öffnungszeiten und Buchungslink ist Pflicht, denn die meisten Barber-Kunden suchen genau dort. Wie Du systematisch Bewertungen sammelst, steht im Ratgeber Google-Bewertungen für den Salon sammeln.

Instagram ist im Barbergeschäft fast ein zweites Schaufenster. Fresh Cuts, Fade-Details und Vorher-Nachher-Bilder ziehen die Leute an, die genau diesen Stil suchen. Bau Dir früh einen Fundus an guten Fotos auf und verlinke die Buchung direkt im Profil, damit aus einem Like ein Termin wird.

6. Von Anfang an digital aufsetzen

Barbershops leben von Tempo. Kurze Slots, feste Barber, viele Walk-ins und Stammkunden, die immer zum selben Mann wollen. Genau dafür lohnt es sich, gleich mit einem System zu starten, das Wunsch-Barber, schnelle Kartenzahlung und automatische Erinnerungen mitbringt. Über die Online-Terminbuchung buchen Deine Kunden ihren Barber direkt, auch nachts um elf, wenn Dein Shop längst zu ist. Automatische Erinnerungen per SMS oder E-Mail sorgen dafür, dass der Termin auch wahrgenommen wird, statt still zu verpuffen.

Wenn Du Barber anstellst, kommt zur Technik die Organisation dazu. Jeder Mitarbeiter braucht seinen eigenen Kalender, seine Umsätze und seine Provisionen sauber getrennt. Ein System, das das von Anfang an abbildet, erspart Dir am Monatsende die Zettelwirtschaft und macht klar, wer welchen Beitrag zum Umsatz leistet.

Zwei Dinge, die im Barbergeschäft besonders weh tun, lassen sich digital abfedern. No-Shows kosten bei kurzen Slots richtig Umsatz. Wie Du sie reduzierst, steht im Ratgeber No-Shows im Friseursalon vermeiden. Und weil eine elektronische Kasse GoBD-konform sein muss, lies vorab den Leitfaden zur GoBD-Kasse für Friseure.

Die Kurz-Checkliste

  • Meisterrecht klären, ein Barbershop zählt als Friseurhandwerk nach Anlage A.
  • Reihenfolge: Handwerkskammer, dann Gewerbe, Finanzamt, BGW, Bauabnahme.
  • Standort, Ausstattung und Puffer realistisch kalkulieren.
  • Hygieneplan aufsetzen, Einwegklingen nutzen, Versicherungen abschließen.
  • Buchung, Kasse und Erinnerungen von Beginn an digital aufsetzen.

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Quellen

  1. ZDH: Gewerbe der Handwerksordnung, Anlage A (zulassungspflichtige Handwerke)
  2. BGW: Unfallversicherung für Unternehmer des Friseurhandwerks
  3. LGL Bayern: Barbershops, Anforderungen an die Hygiene (Merkblatt)
  4. BGW: Reinigungs- und Desinfektionsplan für Friseursalons und Barbershops
  5. Finanzchef24: Kosten für Handwerksrolle und Gewerbeschein

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